Heute ist - sogar in Hamburg - Feiertag. Das heißt, wir konnten ausschlafen, soweit das unsere krallenbewehrten, stimmlich hervorragend ausgestatteten Mitbewohner zuließen. (Kodama bildete sich ein, irgendwann um halb vier mal eben im Wohnzimmer eine Opernarie proben zu müssen. Leider hatte sie den Text vergessen, weswegen sie nach zwei oder drei Muuwauuus immer wieder von vorn anfangen musste. Aber morgen Nacht klappt's bestimmt schon besser. Vielleicht sollte sie sich auch einfach mit Tabs zusammentun.)
Trotzdem sind wir recht lange im Bett geblieben, ich, weil ich auch unter dem Gewicht von zwei Katzen hervorragend schlafen kann, Leo, weil er sich den Laptop geschnappt hat und eben mal ein Gerichtsgutachten fertiggemacht hat. Ganz hat das allerdings nicht funktioniert, denn es fehlte ihm ein dreidimensionales Modell. Also wurde ich, als ich dann endlich aufgestanden war, noch im Nachthemd als Mordopfer rekrutiert und in verschiedenen Positionen (stehend, sitzend,...) aus verschiedenen Winkeln erschossen. Offenbar zur Zufriedenheit des Arztes. Das Gutachten ist somit vollständig, und jetzt gibt's Frühstück.
17 Mai 2007
15 Mai 2007
Ekel
Warum hat man eine Videokamera eigentlich nie dann bereit, wenn man sie wirklich braucht? Naja, vielleicht schlägt der Zufall ja irgendwann zu, und ihr bekommt ein Video von Mu, die ihren eigenen Schwanz jagt, um ihn dann zum Putzen festzuhalten, nur um ihn dann wieder jagen zu können. Vorläufig müßt ihr euch erstmal mit obiger Besschreibung der Szene begnügen. (Erst das Buch zu lesen und dann den Film zu sehen ist sowieso generell vorzuziehen. ;-))
Aber eigentlich wollte ich über was ganz anderes schreiben. Über mein Lieblingsthema Wahrheit und ihr Nutzen für den Einzelnen habe ich ja hier schon einiges rumphilosophiert. Mein schlauer Bruder hat übrigens eine sehr schöne wissenschaftliche Erklärung zum Thema beigesteuert, zu lesen in den Kommentaren zu Tag der Arbeit. Und da Wissenschaft für mich sozusagen das Opium für Akademiker ist, bin ich geneigt zu glauben (!), dass es tatsächlich gut für mich ist, die Wahrheit zu sagen. Dazu muss ich sie allerdings erstmal kennen. Und mir dann eingestehen. Und dann den Mut aufbringen, sie auch auszusprechen. Letzteres ist seltsam, denn wenn das gut für mich ist, was habe ich dann zu befürchten? Eigentlich ist aber schon der erste Teil - das Kennen - ziemlich befremdlich: wie kann ich meine persönliche, individuelle Wahrheit (von sog. absoluter Wahrheit will ich gar nicht reden, die ist langweilig, weil objektiv, d.h. hat nix mit mir zu tun) denn nicht kennen? Und doch scheine ich sehr gut darin zu sein, meine Wahrheit, meine eigenen Gefühle, vor allen, inklusive mir selbst zu verbergen. Meiner Theorie nach ist das ein Schutzmechanismus. Wenn man seine Gefühle anderen nicht zeigt, sehen sie auch nicht, dass man ggf. verletzt ist (=sie einen überhaupt verletzen können). Und am besten verstecken kann man seine Gefühle, wenn man gar nicht zulässt, dass man sie selber wahrnimmt.
Bis zu einem gewissen Grad ist sowas sicherlich nötig und auch gesund. Aber in der Zeit, in der ich meine Depression wie einen Schutzwall um mich aufgebaut habe, habe ich das wohl bis zum Exzess betrieben. Mit dem Resultat, dass ich jetzt tatsächlich jeden Zugang zu meinen Gefühlen verloren habe. Vergleichbar ist das ganze wohl am ehesten mit einem Schnupfen: man steckt seine verstopfte Nase in einen Blumenstrauß, von dem man genau weiß, dass er intensiv duften müßte, aber man riecht halt nichts. Und, so paradox das klingt, darunter leide ich ziemlich. Paradox, weil Leiden ja eigentlich auch eine Art Gefühl ist. So ganz durchblick ich das noch nicht. Was ich aber wirklich pervers finde, ist die Tatsache, dass ich vor potentiell emotionalen Situationen nicht nur zurückschrecke. Nein, ich empfinde (!) sie regelrecht als ekelhaft. Erinnerungen, Filme, Romane voller intensiver Gefühle stoßen mich ab. Nur einen kurzen Moment, bis ich es geschafft habe, das ganze von mir wegzuschieben. Aber der Ekel ist da, greifbar wie ein achtbeiniges Nutztier, das aus unerfindlichen Gründen die selbe Reaktion hervorruft, wenn man es plötzlich in einer Zimmerecke entdeckt.
Wieder habe ich Zuflucht in der Relig... Verzeihung, Wissenschaft gesucht, und bin auf interessantes zum Thema gestoßen. Der Wikipedia-Artikel zum Thema Ekel ist sehr aufschlussreich, wer das ganze etwas unterhaltsamer, aber nicht weniger seriös amerikanisch aufbereitet haben möchte, kann hier nachlesen. Für alle, die nach diesem Eintrag schon entnervt von so viel Text sind: Ekel ist eine vererbte oder anerzogene (oder beides) Schutzreaktion, einmal vor tatsächlicher physischer Gefahr wie Ansteckung, Vergiftung oder schlicht ungenießbarem, und zum anderen angeblich zum Schutz der eigenen Seele (vor der Erkenntnis, dass wir auch nur Tiere bzw. sterblich sind). Letzteres finde ich ein bisschen abstrakt, aber auch nicht ganz zu verleugnen. Beängstigend ist die Tatsache, dass Ekel mitunter noch schwerer zu überwinden ist als Angst (auch hierzu gibt es interessante wissenschaftliche Experimente). Das heißt wohl, dass ich noch einen sehr langen Weg zurück zu meinen Gefühlen vor mir habe.
Immerhin, auch ein 10.000 Meilen langer Weg beginnt mit einem Schritt. (Japanisches Sprichwort). Also fang ich wohl mal besser mit der - meiner - Wahrheit an. Siehe dieser Post.
Aber eigentlich wollte ich über was ganz anderes schreiben. Über mein Lieblingsthema Wahrheit und ihr Nutzen für den Einzelnen habe ich ja hier schon einiges rumphilosophiert. Mein schlauer Bruder hat übrigens eine sehr schöne wissenschaftliche Erklärung zum Thema beigesteuert, zu lesen in den Kommentaren zu Tag der Arbeit. Und da Wissenschaft für mich sozusagen das Opium für Akademiker ist, bin ich geneigt zu glauben (!), dass es tatsächlich gut für mich ist, die Wahrheit zu sagen. Dazu muss ich sie allerdings erstmal kennen. Und mir dann eingestehen. Und dann den Mut aufbringen, sie auch auszusprechen. Letzteres ist seltsam, denn wenn das gut für mich ist, was habe ich dann zu befürchten? Eigentlich ist aber schon der erste Teil - das Kennen - ziemlich befremdlich: wie kann ich meine persönliche, individuelle Wahrheit (von sog. absoluter Wahrheit will ich gar nicht reden, die ist langweilig, weil objektiv, d.h. hat nix mit mir zu tun) denn nicht kennen? Und doch scheine ich sehr gut darin zu sein, meine Wahrheit, meine eigenen Gefühle, vor allen, inklusive mir selbst zu verbergen. Meiner Theorie nach ist das ein Schutzmechanismus. Wenn man seine Gefühle anderen nicht zeigt, sehen sie auch nicht, dass man ggf. verletzt ist (=sie einen überhaupt verletzen können). Und am besten verstecken kann man seine Gefühle, wenn man gar nicht zulässt, dass man sie selber wahrnimmt.
Bis zu einem gewissen Grad ist sowas sicherlich nötig und auch gesund. Aber in der Zeit, in der ich meine Depression wie einen Schutzwall um mich aufgebaut habe, habe ich das wohl bis zum Exzess betrieben. Mit dem Resultat, dass ich jetzt tatsächlich jeden Zugang zu meinen Gefühlen verloren habe. Vergleichbar ist das ganze wohl am ehesten mit einem Schnupfen: man steckt seine verstopfte Nase in einen Blumenstrauß, von dem man genau weiß, dass er intensiv duften müßte, aber man riecht halt nichts. Und, so paradox das klingt, darunter leide ich ziemlich. Paradox, weil Leiden ja eigentlich auch eine Art Gefühl ist. So ganz durchblick ich das noch nicht. Was ich aber wirklich pervers finde, ist die Tatsache, dass ich vor potentiell emotionalen Situationen nicht nur zurückschrecke. Nein, ich empfinde (!) sie regelrecht als ekelhaft. Erinnerungen, Filme, Romane voller intensiver Gefühle stoßen mich ab. Nur einen kurzen Moment, bis ich es geschafft habe, das ganze von mir wegzuschieben. Aber der Ekel ist da, greifbar wie ein achtbeiniges Nutztier, das aus unerfindlichen Gründen die selbe Reaktion hervorruft, wenn man es plötzlich in einer Zimmerecke entdeckt.
Wieder habe ich Zuflucht in der Relig... Verzeihung, Wissenschaft gesucht, und bin auf interessantes zum Thema gestoßen. Der Wikipedia-Artikel zum Thema Ekel ist sehr aufschlussreich, wer das ganze etwas unterhaltsamer, aber nicht weniger seriös amerikanisch aufbereitet haben möchte, kann hier nachlesen. Für alle, die nach diesem Eintrag schon entnervt von so viel Text sind: Ekel ist eine vererbte oder anerzogene (oder beides) Schutzreaktion, einmal vor tatsächlicher physischer Gefahr wie Ansteckung, Vergiftung oder schlicht ungenießbarem, und zum anderen angeblich zum Schutz der eigenen Seele (vor der Erkenntnis, dass wir auch nur Tiere bzw. sterblich sind). Letzteres finde ich ein bisschen abstrakt, aber auch nicht ganz zu verleugnen. Beängstigend ist die Tatsache, dass Ekel mitunter noch schwerer zu überwinden ist als Angst (auch hierzu gibt es interessante wissenschaftliche Experimente). Das heißt wohl, dass ich noch einen sehr langen Weg zurück zu meinen Gefühlen vor mir habe.
Immerhin, auch ein 10.000 Meilen langer Weg beginnt mit einem Schritt. (Japanisches Sprichwort). Also fang ich wohl mal besser mit der - meiner - Wahrheit an. Siehe dieser Post.
09 Mai 2007
Die Welt in Misstönen?
In Hamburg regnet es.
In München auch.
Meine Haare sind ausgewaschen-orange-rosa-gelb, und ich erreiche meine Friseuse nicht.
(Conny, wenn Du eine Website hättest, würde ich Dich hier als beste Friseurin überhaupt verlinken, aber Du hast ja nicht mal 'nen AB.)
Alles ist... verbesserungswürdig. :(
Als ich in Hamburg aufgebrochen bin, war noch so richtig gutes Wetter. Und da ich weiß, dass es in München oft noch drei Grad wärmer und definitiv trockener ist als in HH (ich habe wissenschaftliche Beweise, versucht gar nicht erst, es abzustreiten), habe ich entsprechend meine Garderobe für den Aufenthalt hier ausgewählt. Tja, die Sandalen brauch ich wohl nicht. Meine beige Hose hat schon in Reutlingen einen dunklen Rand unten an den Beinen bekommen, und spätestens die lange Zugreise hat ihr den Rest gegeben. Also bleibt nicht mehr so viel Auswahl. Und hier regnet's und wird immer kälter. Deswegen hab ich gestern zum Ausgehen dann auch alles, wirklich alles angezogen, was ich noch dabei hatte. Jeans, darüber einen Rock, ärmelloses T-Shirt unter bauchfreiem T-Shirt unter Strickjacke, dazu noch einen Schal. Das war dann von der Temperatur her durchaus erträglich. Was ich nicht bedacht hatte ist, dass ich noch zwei Tage hier bin, und in Restaurants und Kneipen nicht nur geraucht wird, sondern auch gelegentlich mal was verschüttet. In meinem Fall ein halbvolles (halbleeres?) Glas Spezi, direkt in den Nacken, über T-Shirt A und B. Zum Glück gibt Spezi wie Cola auch keine Flecken (alte Weisheit einer Klassenkameradin, die mir ihr Getränk über die weiße Hose gekippt hatte), das obere T-Shirt war nur nass und kalt, aber nicht besonders schmutzig. Schlau wie ich bin, habe ich abends beim Heimkommen noch alles nach draußen gehängt, damit sich der Rauchgeruch auch verflüchtigt. Was ich dabei nicht bedacht hatte, war der Wind. (In Bayern rechnet man einfach nicht mit sowas, in HH hätt ich sicher dran gedacht!) Jetzt duften meine Kleider wieder frisch, Spezi-Spuren sind auch nicht zu sehen, dafür sind sie halt jetzt klatschnass.
Hab in zwei Stunden 'ne Verabredung. Bin schon sehr gespannt, was ich tragen werde. Vielleicht ein zartgelbes Spitzenkleid...?
In München auch.
Meine Haare sind ausgewaschen-orange-rosa-gelb, und ich erreiche meine Friseuse nicht.
(Conny, wenn Du eine Website hättest, würde ich Dich hier als beste Friseurin überhaupt verlinken, aber Du hast ja nicht mal 'nen AB.)
Alles ist... verbesserungswürdig. :(
Als ich in Hamburg aufgebrochen bin, war noch so richtig gutes Wetter. Und da ich weiß, dass es in München oft noch drei Grad wärmer und definitiv trockener ist als in HH (ich habe wissenschaftliche Beweise, versucht gar nicht erst, es abzustreiten), habe ich entsprechend meine Garderobe für den Aufenthalt hier ausgewählt. Tja, die Sandalen brauch ich wohl nicht. Meine beige Hose hat schon in Reutlingen einen dunklen Rand unten an den Beinen bekommen, und spätestens die lange Zugreise hat ihr den Rest gegeben. Also bleibt nicht mehr so viel Auswahl. Und hier regnet's und wird immer kälter. Deswegen hab ich gestern zum Ausgehen dann auch alles, wirklich alles angezogen, was ich noch dabei hatte. Jeans, darüber einen Rock, ärmelloses T-Shirt unter bauchfreiem T-Shirt unter Strickjacke, dazu noch einen Schal. Das war dann von der Temperatur her durchaus erträglich. Was ich nicht bedacht hatte ist, dass ich noch zwei Tage hier bin, und in Restaurants und Kneipen nicht nur geraucht wird, sondern auch gelegentlich mal was verschüttet. In meinem Fall ein halbvolles (halbleeres?) Glas Spezi, direkt in den Nacken, über T-Shirt A und B. Zum Glück gibt Spezi wie Cola auch keine Flecken (alte Weisheit einer Klassenkameradin, die mir ihr Getränk über die weiße Hose gekippt hatte), das obere T-Shirt war nur nass und kalt, aber nicht besonders schmutzig. Schlau wie ich bin, habe ich abends beim Heimkommen noch alles nach draußen gehängt, damit sich der Rauchgeruch auch verflüchtigt. Was ich dabei nicht bedacht hatte, war der Wind. (In Bayern rechnet man einfach nicht mit sowas, in HH hätt ich sicher dran gedacht!) Jetzt duften meine Kleider wieder frisch, Spezi-Spuren sind auch nicht zu sehen, dafür sind sie halt jetzt klatschnass.
Hab in zwei Stunden 'ne Verabredung. Bin schon sehr gespannt, was ich tragen werde. Vielleicht ein zartgelbes Spitzenkleid...?
08 Mai 2007
Tanja allein zuhaus
Nein, meine Eltern haben mich nicht hier vergessen - sind nur grad beide auf unterschiedlichen Konferenzen unterwegs. Das heißt ich habe sturmfreie Bude in Garching. Und einen Tag lang tatsächlich nichts zu tun, keine Verabredungen, keine Termine... Was zwangsläufig bedeutet, dass ich auf blöde Ideen komme. Zum Beispiel von dem Käsekuchen zu probieren, den meine Mutter gebacken hat. Diät-technisch gesehen ein ganz falscher Fehler. Aber wenn man schon mal angefangen hat, dann kann man ja auch gleich richtig weitermachen. Also durchstöbere ich todesverachtend den Kühlschrank und beschließe, mir aus den gemischten Resten, die dort zu finden sind, eine Portion Nudelsalat zu machen, die mich für die nächsten fünf Tage ernähren kann. Ähm. Könnte. Wenn ich nicht schon so viel davon gegessen hätte...
Und was macht man besonders gerne, wenn man alleine essen muss? Genau: Fernsehen. München hat schon seit längerer Zeit auf Digitalfernsehen umgestellt, weswegen sich meine TV-muffeligen Eltern einen Decoder kaufen mussten, um die Nachrichten noch empfangen zu können. Zusätzlich zur ARD bekommen sie jetzt aber ca. 512 weitere Programme. Darunter so sinnige Sachen wie Bahn TV oder Klingelton TV. Ich versuche mich durchzuzappen, gebe aber bei Kanal 89 auf. Ich habe sowieso besseres vor. Für div. zukünftige Rollenspiele brauche ich dringend Kleidung und Accessoires. Der beste Ort, um sowas zu finden, ist der heimische Keller. Ich wage mich in die unergründlichen Tiefen dieser mystischen Katakomben, die ein Eigenleben haben, sich ständig verändern, Dinge vor einem verstecken und einen plötzlich, unerwartet mit Erinnerungen an vergangene Faschingspartys, Skiausflüge oder die unerträgliche Schuhmode der 80er konfrontieren. Und ich werde fündig ohne Ende. Ein zartgelbes Spitzennachthemd (vielleicht auch ein Sommerkleid?), ein sackförmiges Mini aus ausgefranstem Glitzer-Silber-Stoff, ein langer, schwarzer, zerfetzter Rock, der meinem nächsten Zombie sehr gut stehen wird, eine taillierte Pelzjacke aus echtem Wasauchimmer, die ich mal in der Altkleidersammlung gefunden habe. Aber auch das Puppentheater, dass mein Opa mal für uns gebaut hat, meine Playmobil-Raumstation (wie eine umgedrehte Schildkröte hilflos auf dem Rücken liegend), diverse kopflose Barbiepuppen in Hippiekleidern, die meine Tante selbst genäht hat, und sogar meinen alten Schulranzen. Ebay hat neulich in einer Werbemail behauptet, dass in jedem Haushalt durchschnittlich 538 EUR an Warenwert rumliegen, die ohne weiteres versteigert werden könnten, weil sie keiner nutzt. Ich wage zu behaupten, dass meine Eltern mit ihrem Keller einiges mehr verdienen könnten. Aber da regt sich in mir leiser Protest, die Evolution schlägt zu, die Gene meiner Mutter fühlen ihre Stunde gekommen, und wecken eine Stimme in meinem Hinterkopf, die murmelt: Ach, eigentlich ist das ja noch ganz gut, das könnte man doch nochmal verwenden. Und hier, wie süß, das müssen wir auf jeden Fall aufheben, und guck mal da....
Und was macht man besonders gerne, wenn man alleine essen muss? Genau: Fernsehen. München hat schon seit längerer Zeit auf Digitalfernsehen umgestellt, weswegen sich meine TV-muffeligen Eltern einen Decoder kaufen mussten, um die Nachrichten noch empfangen zu können. Zusätzlich zur ARD bekommen sie jetzt aber ca. 512 weitere Programme. Darunter so sinnige Sachen wie Bahn TV oder Klingelton TV. Ich versuche mich durchzuzappen, gebe aber bei Kanal 89 auf. Ich habe sowieso besseres vor. Für div. zukünftige Rollenspiele brauche ich dringend Kleidung und Accessoires. Der beste Ort, um sowas zu finden, ist der heimische Keller. Ich wage mich in die unergründlichen Tiefen dieser mystischen Katakomben, die ein Eigenleben haben, sich ständig verändern, Dinge vor einem verstecken und einen plötzlich, unerwartet mit Erinnerungen an vergangene Faschingspartys, Skiausflüge oder die unerträgliche Schuhmode der 80er konfrontieren. Und ich werde fündig ohne Ende. Ein zartgelbes Spitzennachthemd (vielleicht auch ein Sommerkleid?), ein sackförmiges Mini aus ausgefranstem Glitzer-Silber-Stoff, ein langer, schwarzer, zerfetzter Rock, der meinem nächsten Zombie sehr gut stehen wird, eine taillierte Pelzjacke aus echtem Wasauchimmer, die ich mal in der Altkleidersammlung gefunden habe. Aber auch das Puppentheater, dass mein Opa mal für uns gebaut hat, meine Playmobil-Raumstation (wie eine umgedrehte Schildkröte hilflos auf dem Rücken liegend), diverse kopflose Barbiepuppen in Hippiekleidern, die meine Tante selbst genäht hat, und sogar meinen alten Schulranzen. Ebay hat neulich in einer Werbemail behauptet, dass in jedem Haushalt durchschnittlich 538 EUR an Warenwert rumliegen, die ohne weiteres versteigert werden könnten, weil sie keiner nutzt. Ich wage zu behaupten, dass meine Eltern mit ihrem Keller einiges mehr verdienen könnten. Aber da regt sich in mir leiser Protest, die Evolution schlägt zu, die Gene meiner Mutter fühlen ihre Stunde gekommen, und wecken eine Stimme in meinem Hinterkopf, die murmelt: Ach, eigentlich ist das ja noch ganz gut, das könnte man doch nochmal verwenden. Und hier, wie süß, das müssen wir auf jeden Fall aufheben, und guck mal da....
02 Mai 2007
Zitronensorbet
Heute war ich mit meiner persönlichen Privat-Schneiderin (die Freundin einer Freundin) beim Einkaufen. Und zwar Stoff für das geplante Brautkleid. Sie hatte mir neulich schon mal eine Vorauswahl mitgebracht, aber im Laden stellte sich heraus, dass die Stoffe alle ziemlich glänzen, was mir nicht so besonders gut gefällt. Also haben wir ein bisschen gestöbert, und sind, nachdem wir den 70er braun-beige-lila Streifen Look genauso verworfen hatten wir den geblümten rot-rosa-goldenen Sofabezugstoff, auf einen schönen leichten Baumwollstoff gestoßen, der mit Sicherheit wunderschön fallen wird. Meiner Meinung nach liegt die Farbe irgendwo zwischen creme- und elfenbeinweiß, mit einem kaum erkennbaren Hauch von Gelbstich. Meine Schneiderin - eine waschechte Oberfränkin - meint dazu nur, dass ich in dem Kleid aussehen werde wie Zitronensorbet. Ich hoffe, sie meint das im Sinne von richtig lecker und zum Anbeißen...
P.S. Jetzt muss ich doch auch mal was tun, um andere Bräute neidisch zu machen: 15m Stoff, die für das Kleid nötig sind, haben mich grade mal etwas über 100 EUR gekostet. Oder guckt ihr jetzt alle voller Verachtung auf mich runter? Egal, ich geh jetzt von dem gesparten Geld Eis essen. Zitroneneis natürlich.
P.S. Jetzt muss ich doch auch mal was tun, um andere Bräute neidisch zu machen: 15m Stoff, die für das Kleid nötig sind, haben mich grade mal etwas über 100 EUR gekostet. Oder guckt ihr jetzt alle voller Verachtung auf mich runter? Egal, ich geh jetzt von dem gesparten Geld Eis essen. Zitroneneis natürlich.
01 Mai 2007
Jetzt langt's!
Jetzt hat mir die Süddeutsche endgültig 'as Kraut ausg'schütt! Die haben schon wieder so einen Test "Sind Sie ein Münchner Kindl?". Und ich habe schon wieder voll abgelost. (abgeloost? gelust? Buhu!) Während Leo, der gebürtige Memminger, mal wieder auf 7 von 10 Punkte gekommen ist. Das war's. Ab sofort les ich die MoPo. :-(
Tag der Arbeit
Oops, I did it again. Leute, die mich schon länger kennen, wissen vielleicht, dass ich unsinnigen Herausforderungen schwer widerstehen kann. Nicht so sehr im Sinne von "ich muss den Mount Everest besteigen, bevor ich 13 bin", sondern eher, wenn mich z.B. jemand dazu auffordert, meinen Finger in einen Teich zu stecken, um zu sehen, ob die Fische beißen (ja, sie haben reingebissen).
Jetzt wißt ihr ja schon, dass Leo z.Z. etwas angeschlagen ist und seinen linken Arm nicht gebrauchen kann. Und mit der Zusatzinformation, dass er heute Dienst hat, und prompt ein Einsatz kam, könnt ihr euch vielleicht denken, was ich heute getan habe. Wir waren nicht allein, ein paar nette Kollegen von Leo haben sich auch noch breitschlagen lassen, mitzuhelfen. D.h. ich musste nicht allzu viel helfen. Nur ab und zu festhalten oder anheben. Und viele viele... Teile... verpacken.
Und weil Leos wirklich nette Kollegen/innen dabei waren, hatten wir sogar richtig Spaß beim Arbeiten. Das Zusammensein in der Gruppe vertreibt offenbar noch so trübe Gedanken.
Und das bringt mich gleich wieder zum Kommunikationsthema zurück. Danke erstmal für eure vielen Kommentare. Ihr habt alle recht. Sich mitteilen, dadurch eine Verbindung zu anderen herstellen, tut einfach gut. Was ich mich frage ist, warum schließt die offensichtliche Notwendigkeit, mit anderen zu kommunizieren, auch das Bedürfnis ein, diesen anderen die Wahrheit zu sagen? Könnte man nicht Nähe und Verbindung auch dadurch erreichen, wenn man sich einfach der Gruppenmeinung anschließt, anstatt das Risiko einzugehen, sich durch eine abweichende Meinung selbst ins Aus zu schießen? (Ich weiß, dass es wichtig ist, seine wahren Gefühle zu zeigen und die Wahrheit zu sagen, und bemühe mich auch, das zu tun, aber der praktische, evolutionäre Nutzen entzieht sich mir.) Die Japaner machen es zum Beispiel so. Die können, je nachdem, in welcher Gruppe sie sich gerade befinden, unterschiedliche Meinungen zu ein und demselben Thema haben, und fahren scheinbar gut damit. Warum also empfindet unser westliches Herz ein so zwingendes Bedürfnis nach Wahrheit und Offenbarung? Philosophieren erlaubt, nur eine Bitte: erwähnt in euren Kommentaren nicht, was und wo Leo arbeitet, das könnte sonst Schwierigkeiten geben.
Jetzt wißt ihr ja schon, dass Leo z.Z. etwas angeschlagen ist und seinen linken Arm nicht gebrauchen kann. Und mit der Zusatzinformation, dass er heute Dienst hat, und prompt ein Einsatz kam, könnt ihr euch vielleicht denken, was ich heute getan habe. Wir waren nicht allein, ein paar nette Kollegen von Leo haben sich auch noch breitschlagen lassen, mitzuhelfen. D.h. ich musste nicht allzu viel helfen. Nur ab und zu festhalten oder anheben. Und viele viele... Teile... verpacken.
Und weil Leos wirklich nette Kollegen/innen dabei waren, hatten wir sogar richtig Spaß beim Arbeiten. Das Zusammensein in der Gruppe vertreibt offenbar noch so trübe Gedanken.
Und das bringt mich gleich wieder zum Kommunikationsthema zurück. Danke erstmal für eure vielen Kommentare. Ihr habt alle recht. Sich mitteilen, dadurch eine Verbindung zu anderen herstellen, tut einfach gut. Was ich mich frage ist, warum schließt die offensichtliche Notwendigkeit, mit anderen zu kommunizieren, auch das Bedürfnis ein, diesen anderen die Wahrheit zu sagen? Könnte man nicht Nähe und Verbindung auch dadurch erreichen, wenn man sich einfach der Gruppenmeinung anschließt, anstatt das Risiko einzugehen, sich durch eine abweichende Meinung selbst ins Aus zu schießen? (Ich weiß, dass es wichtig ist, seine wahren Gefühle zu zeigen und die Wahrheit zu sagen, und bemühe mich auch, das zu tun, aber der praktische, evolutionäre Nutzen entzieht sich mir.) Die Japaner machen es zum Beispiel so. Die können, je nachdem, in welcher Gruppe sie sich gerade befinden, unterschiedliche Meinungen zu ein und demselben Thema haben, und fahren scheinbar gut damit. Warum also empfindet unser westliches Herz ein so zwingendes Bedürfnis nach Wahrheit und Offenbarung? Philosophieren erlaubt, nur eine Bitte: erwähnt in euren Kommentaren nicht, was und wo Leo arbeitet, das könnte sonst Schwierigkeiten geben.
Tanz in den Mai
Gestern war Beltane. Oder Walpurgisnacht. Oder einfach nur Tanz in den Mai, wie man hier in HH sagt. Das Fest erfreut sich hier, zumindest in meiner Wahrnehmung, größerer Beliebtheit als in Bayern. Vielleicht, weil es in Bayern mit Maibaum-Aufstellen und anderen altmodisch-brauchtümlichen Traditionen verbunden wird. Hier geht man einfach nur Tanzen, deswegen ist es cool und jugendtauglich und stirbt nicht so schnell aus.
Wir zwei haben es allerdings seit wir hier sind noch nie geschafft, am 30. April tanzen zu gehen oder den Mai auf irgendwie geartete Weise hamburgerisch zu begrüßen. Entweder waren wir immer nicht da, oder beschäftigt, oder, wie dieses Jahr, beschädigt. Leo hatte schon zum zweiten Mal dieses Jahr einen Fahrradunfall, und trägt momentan den Arm in der Schlinge. Das hält ihn zwar nicht davon ab, in die Arbeit zu gehen, aber große Action abends ist dann nicht mehr drin. Also waren wir nur kurz was Essen, und haben dann zu hause unseren ganz privaten Tanz in den Mai veranstaltet und unseren Hochzeitswalzer geprobt. Ich habe schon mit Leo getanzt, aber noch nie einen Standardtanz. Ich muss sagen, er führt hervorragend (Kommentar Leo: "Aber ich kann doch gar nicht führen!"), und wir haben einen sehr kreative neue Art des Walzertanzens entdeckt. Und, nachdem ich ihn oft genug getreten hatte, festgestellt, dass wir noch viel viel üben müssen...
Wir zwei haben es allerdings seit wir hier sind noch nie geschafft, am 30. April tanzen zu gehen oder den Mai auf irgendwie geartete Weise hamburgerisch zu begrüßen. Entweder waren wir immer nicht da, oder beschäftigt, oder, wie dieses Jahr, beschädigt. Leo hatte schon zum zweiten Mal dieses Jahr einen Fahrradunfall, und trägt momentan den Arm in der Schlinge. Das hält ihn zwar nicht davon ab, in die Arbeit zu gehen, aber große Action abends ist dann nicht mehr drin. Also waren wir nur kurz was Essen, und haben dann zu hause unseren ganz privaten Tanz in den Mai veranstaltet und unseren Hochzeitswalzer geprobt. Ich habe schon mit Leo getanzt, aber noch nie einen Standardtanz. Ich muss sagen, er führt hervorragend (Kommentar Leo: "Aber ich kann doch gar nicht führen!"), und wir haben einen sehr kreative neue Art des Walzertanzens entdeckt. Und, nachdem ich ihn oft genug getreten hatte, festgestellt, dass wir noch viel viel üben müssen...
29 April 2007
Warum eigentlich?
Fragt sich das jeder Blogger irgendwan mal? Warum er eigentlich sein Tagebuch ins Internet stellt? Woher nehmen wir - nicht nur Blogger, sondern alle Menschen - dieses Bedürfnis, von der Welt wahrgenommen zu werden? Warum ist es so essentiell, anderen mitzuteilen, was in einem vorgeht? Warum tut es gut, das zu tun?
Die Frage stelle ich mir eigentlich schon, seit ich in Therapie bin. Zumal mir meine Therapeutin immer wieder einpaukt, dass es immens wichtig ist, sich mitzuteilen, dass man auf keinen Fall einfach runterschlucken darf, was in einem vorgeht.
Für viele menschliche Bedürfnisse, Verhaltensweisen und Gefühle lassen sich "rationale" Gründe finden: Evolution, blanke Biologie, der gegenseitige Nutzen eines bestimmten Verhaltens für im Rudel zusammenlebenden Spezies etc.etc. Aber dieses Kommunikationsbedürfnis? Sein Herz nicht auf der Zunge zu tragen, kann z.B. das Zusammenleben vieler immens erleichtern. Survival of the loudest? Wenn sich die Mitglieder einer Tierart hinstellen und den ganzen Tag rumschreien würden, wären sie sicherlich leichte Beute für alle anderen Räuber, und sei's nur, um endlich Ruhe zu haben. Am ehesten könnte man noch Vögel zum Vergleich heranziehen, die mit Ausdauer von Sonnenauf- bis Untergang nach einem paarungswilligen Partner schreien. Aber mit dem Wunsch nach Fortpflanzung allein glaube ich nicht, mir selber das menschliche Bedürfnis erklären zu können, sein Innerstes nach außen zu kehren. Vielmehr die Notwendigkeit. Denn dass es ungesund ist, Sachen runterzuschlucken, habe ich mir selbst sehr nachdrücklich bewiesen. Trotzdem interessiert mich das warum. Weil's vielleicht einfacher wäre, mich zu zwingen, mehr von mir selbst zu offenbaren, wenn ich die Begründung (außer dem undifferenzierten "es ist gut für mich) wüßte. Dazu (dass wir Sachen lieber tun, wenn wir glauben, einen Grund dafür zu haben) gibt's übrigens ein interessantes Experiment von Dr. Ellen Langer (im Artikel nach dem Wort "Kopierer" suchen, sind nur zwei Absätze, die wichtig sind). Wie auch immer, würd mich interessieren, was ihr dazu denkt.
Die Frage stelle ich mir eigentlich schon, seit ich in Therapie bin. Zumal mir meine Therapeutin immer wieder einpaukt, dass es immens wichtig ist, sich mitzuteilen, dass man auf keinen Fall einfach runterschlucken darf, was in einem vorgeht.
Für viele menschliche Bedürfnisse, Verhaltensweisen und Gefühle lassen sich "rationale" Gründe finden: Evolution, blanke Biologie, der gegenseitige Nutzen eines bestimmten Verhaltens für im Rudel zusammenlebenden Spezies etc.etc. Aber dieses Kommunikationsbedürfnis? Sein Herz nicht auf der Zunge zu tragen, kann z.B. das Zusammenleben vieler immens erleichtern. Survival of the loudest? Wenn sich die Mitglieder einer Tierart hinstellen und den ganzen Tag rumschreien würden, wären sie sicherlich leichte Beute für alle anderen Räuber, und sei's nur, um endlich Ruhe zu haben. Am ehesten könnte man noch Vögel zum Vergleich heranziehen, die mit Ausdauer von Sonnenauf- bis Untergang nach einem paarungswilligen Partner schreien. Aber mit dem Wunsch nach Fortpflanzung allein glaube ich nicht, mir selber das menschliche Bedürfnis erklären zu können, sein Innerstes nach außen zu kehren. Vielmehr die Notwendigkeit. Denn dass es ungesund ist, Sachen runterzuschlucken, habe ich mir selbst sehr nachdrücklich bewiesen. Trotzdem interessiert mich das warum. Weil's vielleicht einfacher wäre, mich zu zwingen, mehr von mir selbst zu offenbaren, wenn ich die Begründung (außer dem undifferenzierten "es ist gut für mich) wüßte. Dazu (dass wir Sachen lieber tun, wenn wir glauben, einen Grund dafür zu haben) gibt's übrigens ein interessantes Experiment von Dr. Ellen Langer (im Artikel nach dem Wort "Kopierer" suchen, sind nur zwei Absätze, die wichtig sind). Wie auch immer, würd mich interessieren, was ihr dazu denkt.
26 April 2007
Geek Ring
Ihr lieben Mit-Rollenspieler, jetzt haben wir's schriftlich: wir sind Geeks. (Im Lexikon von leo.org steht dazu übrigens "Stubengelehrter" als Übersetzung, allerdings auch "Streber".) Woher ich das weiß? Weil ich grade das ultimative Schmuckstück für uns alle gefunden habe: den Geek Ring.
Laut Verkäufer kann man sogar damit würfeln, und wirft immer die 20...
Gerade jetzt wäre das ein passendes Accessoire für Leo und mich, weil wir beide mal wieder dem Wahnsinn anheim gefallen sind, und uns der Hamburger Vampire-Spielleitung angeschlossen haben. Eigentlich sollten wir's ja besser wissen, und genau diesen Stress vermeiden - wenn's halt nicht solchen Spaß machen würde...
Wir sind halt doch Streber. Oder eher Stubengelehrte?

Laut Verkäufer kann man sogar damit würfeln, und wirft immer die 20...
Gerade jetzt wäre das ein passendes Accessoire für Leo und mich, weil wir beide mal wieder dem Wahnsinn anheim gefallen sind, und uns der Hamburger Vampire-Spielleitung angeschlossen haben. Eigentlich sollten wir's ja besser wissen, und genau diesen Stress vermeiden - wenn's halt nicht solchen Spaß machen würde...
Wir sind halt doch Streber. Oder eher Stubengelehrte?
23 April 2007
Wochenende in Berlin
Interessant, dass ein Eintrag über Grammatik doch so viele Kommentare provoziert. Offenbar polarisiert das Thema. Mal sehen, wie das mit dem nächsten Thema wird.
Am Wochenende war ich in Berlin bei Brittas Einweihungsparty. (Britta ist kürzlich nach Berlin gezogen.) Zum Feiern hatte sie aber erstmal nur Mädels eingeladen, denn die Feier war eine D****-Party. Nein, ich bin nicht zu prüde, um das Wort hinzuschreiben, will nur nicht, dass Leute per Google hier landen, die eigentlich ganz was anderes suchen.
Eine D****-Party funktioniert wie eine Tupper-Party, nur dass man eben keine gefrierbrandsicheren Plastikdosen, sondern andere nette Produkte kaufen kann. Ansonsten ist alles gleich, es gibt die Dinger in verschiedenen bunten Farben, Formen (Raupe, Delfin, Maulwurf...), unterschiedlichen Größen und mit lustigen Zusatzfunktionen. Zum Ausprobieren der Vibrationsstärke und -frequenz hält man sich die D****s an die Nase, was je nach eingestellter Stärke niedlich kitzelt oder wilde Niesanfälle auslöst. Zwischendrin gab's auch noch so harmloses wie Badezusätze und Massageöle, wahrscheinlich als verkaufstechnische wohlgeplante Entspannungspause zwischen so viel Peinlichkeit gedacht. Als ob uns irgendwas zu peinlich sein könnte. (Vor allem nicht nach zwei Gläsern Erdbeerbowle.)
Jetzt fragt ihr sicher, was ich von dieser Veranstaltung mitgenommen habe. Einiges! Nämlich die Erinnerung an ein super-lustiges Wochenende in Berlin mit lauter netten Leuten, Party, HUL (Hocken und Labern), lecker Essen, Ausgehen, Tanzen und ganz vielen intensiven, schönen Gesprächen, die wirklich gutgetan haben. Neugier befriedigt?
Am Wochenende war ich in Berlin bei Brittas Einweihungsparty. (Britta ist kürzlich nach Berlin gezogen.) Zum Feiern hatte sie aber erstmal nur Mädels eingeladen, denn die Feier war eine D****-Party. Nein, ich bin nicht zu prüde, um das Wort hinzuschreiben, will nur nicht, dass Leute per Google hier landen, die eigentlich ganz was anderes suchen.
Eine D****-Party funktioniert wie eine Tupper-Party, nur dass man eben keine gefrierbrandsicheren Plastikdosen, sondern andere nette Produkte kaufen kann. Ansonsten ist alles gleich, es gibt die Dinger in verschiedenen bunten Farben, Formen (Raupe, Delfin, Maulwurf...), unterschiedlichen Größen und mit lustigen Zusatzfunktionen. Zum Ausprobieren der Vibrationsstärke und -frequenz hält man sich die D****s an die Nase, was je nach eingestellter Stärke niedlich kitzelt oder wilde Niesanfälle auslöst. Zwischendrin gab's auch noch so harmloses wie Badezusätze und Massageöle, wahrscheinlich als verkaufstechnische wohlgeplante Entspannungspause zwischen so viel Peinlichkeit gedacht. Als ob uns irgendwas zu peinlich sein könnte. (Vor allem nicht nach zwei Gläsern Erdbeerbowle.)
Jetzt fragt ihr sicher, was ich von dieser Veranstaltung mitgenommen habe. Einiges! Nämlich die Erinnerung an ein super-lustiges Wochenende in Berlin mit lauter netten Leuten, Party, HUL (Hocken und Labern), lecker Essen, Ausgehen, Tanzen und ganz vielen intensiven, schönen Gesprächen, die wirklich gutgetan haben. Neugier befriedigt?
18 April 2007
Gemeine Demütigung durch Süddeutsche
Ich protestiere. Schon zweimal bin ich jetzt durch die Zeitung meiner Heimat, die Süddeutsche nämlich, schwer gedemütigt worden.
Das erste Mal ging's um einen Test, ob man ein richtiger Münchner ist. Da habe ich Münchner Kindl nur die zweithöchste Punktzahl erreicht, während Leo, der gebürtige Memminger, glatt als Eingeborener durchging. Und das nur, weil ich geantwortet habe, dass der Münchner bei Föhn nicht Kopfweh, sondern gute Laune hat, was durchaus vorkommt. Echt. Ehrlich.
Und jetzt haben die aus aktuellem Anlass einen Grammatik-Test veröffentlicht. Da fragen die nach so fiesen Dingen wie Präpositionalobjekten und Konjunktiv II. Also genau das richtige für mich. Leo hat mich auch gleich gezwungen, den Test machen. Und ich Grammar-Nazi hab nur 8 von 12 Punkten gekriegt! (Und Leo 9!)
Also möchte ich mich hiermit offiziell beschweren: Recht gschieht's eich Saubuam, eich elendign, dass ma ausgwandert san!
Das erste Mal ging's um einen Test, ob man ein richtiger Münchner ist. Da habe ich Münchner Kindl nur die zweithöchste Punktzahl erreicht, während Leo, der gebürtige Memminger, glatt als Eingeborener durchging. Und das nur, weil ich geantwortet habe, dass der Münchner bei Föhn nicht Kopfweh, sondern gute Laune hat, was durchaus vorkommt. Echt. Ehrlich.
Und jetzt haben die aus aktuellem Anlass einen Grammatik-Test veröffentlicht. Da fragen die nach so fiesen Dingen wie Präpositionalobjekten und Konjunktiv II. Also genau das richtige für mich. Leo hat mich auch gleich gezwungen, den Test machen. Und ich Grammar-Nazi hab nur 8 von 12 Punkten gekriegt! (Und Leo 9!)
Also möchte ich mich hiermit offiziell beschweren: Recht gschieht's eich Saubuam, eich elendign, dass ma ausgwandert san!
17 April 2007
Lektionen fürs Leben
Heute morgen, weit vor Sonnenaufgang, bin ich davon aufgewacht, dass unsere liebe Katze auf mir saß und voller Begeisterung mein T-Shirt über meiner Brust abschleckte. Über heißt in diesem Fall tatsächlich "höher als", also noch etwa drei Zentimeter von der Sodomie entfernt. Die Peinlichkeit der Situation muss ihr dann auch bewußt geworden sein, sie kletterte nämlich von mir runter, und setzte sich ans Kopfende des Bettes (=direkt vor meine Nase), und fing an, das zu tun, was Katzen immer tun, wenn sie verlegen sind: sich putzen. Leider tat sie das auf bewährte Katzenart, sprich, ein Bein in die Luft gestreckt, Kopf zwischen die Beine, ausgiebig schlecken. Dies ging mit einer erheblichen Geruchsbelästigung einher, da sie in letzter Zeit, seit sie Allergie-Spezialfutter kriegt, recht riechbar verdaut. Natürlich hört man das Geschlecke auch, wenn es so direkt neben dem eigenen Kopf stattfindet. Zusammen mit den Singvögeln, die einfach nicht auf den Sonnenaufgang warten wollen, war das ganze wenig Schlaf-förderlich.
Ich hätte ja einfach die Katze rausschmeißen und das Fenster schließen können. Statt dessen legte ich einen Arm über den Kopf, so dass mein Ohr luft- und schalldicht verschlossen wurde, und steckte mein Gesicht so ins Kissen, dass Nase und vorsichtshalber auch Augen bedeckt waren, aber der Mund noch genug Luft zum Atmen hatte. Und schlief friedlich wieder ein.
Erstaunlich, dass man Dinge, die man in einem muffigen Hotel in Malaysia, dass voller lärmender Chinesen und Kakerlaken (ja, die können ziemlich laut sein, und außerdem eklig) zwangsläufig lernt, wenn man schlafen will, doch nochmal brauchen kann.
Ich hätte ja einfach die Katze rausschmeißen und das Fenster schließen können. Statt dessen legte ich einen Arm über den Kopf, so dass mein Ohr luft- und schalldicht verschlossen wurde, und steckte mein Gesicht so ins Kissen, dass Nase und vorsichtshalber auch Augen bedeckt waren, aber der Mund noch genug Luft zum Atmen hatte. Und schlief friedlich wieder ein.
Erstaunlich, dass man Dinge, die man in einem muffigen Hotel in Malaysia, dass voller lärmender Chinesen und Kakerlaken (ja, die können ziemlich laut sein, und außerdem eklig) zwangsläufig lernt, wenn man schlafen will, doch nochmal brauchen kann.
13 April 2007
Wertvoll?
Als ich heute, wie so oft etwas spät dran, mein Fahrrad bei der U-Bahn-Station einsperre, spricht mich ein alter Mann an, offenbar obdachlos, etwas heruntergekommen, aber keineswegs hoffnungslos. Er will mir ein Gedicht vortragen. Ich lächle so freundlich-abweisend wie möglich, keine Zeit, U-Bahn kommt gleich. Er nimmt's gelassen, und erzählt mir statt dessen von seinem Leben, während ich mit dem Schloss rumwurstle. Er hat's versucht, hat halt nicht so geklappt, aber was soll's. Was er versucht hat, kriege ich nicht so genau mit, hat er Schriftsteller gesagt? Jetzt ist er nur noch ein alter Opa der von Ort zu Ort reist. Ich lächle nochmals und wende mich halb ab, um zu signalisieren, dass ich jetzt wirklich los muss. Schade eigentlich, ich hätte das Gedicht gern gehört. Er bittet mich um 10 Cent. Sympathisch, dass er so wenig will. Ich schaue in mein Portemonnaie. Mist, nur noch ein 2 Euro Stück. Was soll's, der Mann wirkt irgendwie nett, und die Sonne scheint, und überhaupt. Er kriegt die zwei Euro. Er bedankt sich mit den Worten: "Sie sind genauso ein Mensch wie ich: ein wertvoller."
Das macht mich einen Moment lang richtig glücklich. Die meisten Leute sind sehr oft nett zu mir, aber sowas kriegt man ja doch irgendwie selten gesagt. Während der Fahrt denke ich darüber nach, warum es mich freut, dass ein Wildfremder, der mich nicht kennt, und den ich nie wiedersehen werde, so etwas über mich sagt.
Und denke dann daran, wie sehr es mich mitnimmt, wenn ein Wildfremder, der mich nicht kennt und den ich nie wiedersehen werde, etwas schlechtes über mich sagt. Wie lange ich darüber nachgrüble, was ich falsch gemacht habe, wenn mir z.B. jemand anders laut hupend die Vorfahrt nimmt. Wie leicht ich mir die Laune verderben lasse, wenn jemand auch nur eine Frage stellt, die implizieren könnte, dass ich eventuell irgendwas falsch gemacht haben könnte.
Genau das versuche ich mir mit aller Kraft abzugewöhnen.
Heißt das im Umkehrschluss, dass ich mich auch nicht über den netten Opa und sein Kompliment freuen darf? Logisch wär's irgendwie.
Mann, manchmal ist dieses Gewurstel im Kopf ganz schön kompliziert! :-/
Das macht mich einen Moment lang richtig glücklich. Die meisten Leute sind sehr oft nett zu mir, aber sowas kriegt man ja doch irgendwie selten gesagt. Während der Fahrt denke ich darüber nach, warum es mich freut, dass ein Wildfremder, der mich nicht kennt, und den ich nie wiedersehen werde, so etwas über mich sagt.
Und denke dann daran, wie sehr es mich mitnimmt, wenn ein Wildfremder, der mich nicht kennt und den ich nie wiedersehen werde, etwas schlechtes über mich sagt. Wie lange ich darüber nachgrüble, was ich falsch gemacht habe, wenn mir z.B. jemand anders laut hupend die Vorfahrt nimmt. Wie leicht ich mir die Laune verderben lasse, wenn jemand auch nur eine Frage stellt, die implizieren könnte, dass ich eventuell irgendwas falsch gemacht haben könnte.
Genau das versuche ich mir mit aller Kraft abzugewöhnen.
Heißt das im Umkehrschluss, dass ich mich auch nicht über den netten Opa und sein Kompliment freuen darf? Logisch wär's irgendwie.
Mann, manchmal ist dieses Gewurstel im Kopf ganz schön kompliziert! :-/
Ohne Werbung lebensfähig
Es gibt in Hamburg einen Laden/Museum/Künstler-WG/Dingens, der u.a. T-Shirts mit sehr sinnigen Aufschriften verkauft: Denken hilft. Arbeit macht Arbeit. Bis einer heult. (Mit Bild von zwei Panzern). Manche der lustigeren konntet ihr schon an Leo bewundern. Und ich will seit Jahren das T-Shirt mit der Aufschrift "Ohne Werbung lebensfähig". Aber das gibt's immer nur in weiß und zu groß. Dabei wäre es so lustig gewesen, das zur Arbeit in der Agentur anzuziehen.
Aber eigentlich wollte ich auf ganz was anderes raus. Nämlich, dass selbst ich nicht ganz ohne Werbung auskomme. Allerdings nur für Sachen, die wirklich unterstützenswert sind. Konkret: meine Schwägerin macht Buttontails. Das sind lustige Knopfschlangen bzw. Ketten aus Knöpfen, die richtig schön aussehen.
Man kann sie als Dekoration verwenden, als Kinderspielzeug, oder auch als Schmuckstück tragen. Weitere Funktionen fallen mir sicher noch ein, sobald ich eins von den Dingern habe.
Wer auch eins haben möchte, kann sich entweder direkt an Andrea (über die Buttontails-Seite) wenden, oder an mich zwecks Sammelbestellung.
So, danke für Ihre Aufmerksamkeit, und jetzt zurück zum normalen Programm.
Aber eigentlich wollte ich auf ganz was anderes raus. Nämlich, dass selbst ich nicht ganz ohne Werbung auskomme. Allerdings nur für Sachen, die wirklich unterstützenswert sind. Konkret: meine Schwägerin macht Buttontails. Das sind lustige Knopfschlangen bzw. Ketten aus Knöpfen, die richtig schön aussehen.
Wer auch eins haben möchte, kann sich entweder direkt an Andrea (über die Buttontails-Seite) wenden, oder an mich zwecks Sammelbestellung.
So, danke für Ihre Aufmerksamkeit, und jetzt zurück zum normalen Programm.
12 April 2007
Verlobungsring!
Wir schlendern durch die Schanze (für alle Auswärtigen: ein typisches Hamburger Stadtviertel, in dem sich Hausbesetzerszene und In-Crowd mischen, mit vielen Cafes und Geschäften von schick bis absurd). Eigentlich wollen wir nur bummeln, die Sonne genießen und vielleicht in dem einen oder anderen Laden (vorzugsweise einem absurden) mal vorsichtig nach Eheringen gucken.
Während uns die ersten beiden eher mühelos gelingen, sind wir bei drittem Vorhaben eher erfolglos. Aber etwas ist seltsam: Leo bleibt immer mal wieder stehen und schickt mich voraus; er will nur was nachschauen, sagt er. Die Systematik dahinter bleibt mir verborgen, mal ist es ein Bäcker, mal ein Elektronikladen... Trotzdem spiele ich mit und sehe mich ganz heldenhaft nicht nach ihm um, bis er wieder aufholt.
Schließlich haben wir eine Runde gedreht, und bleiben unvermittelt vor einem Kaugummiautomaten stehen.
Ich grinse, weil ich schon häufig erwähnt habe, dass mir ein Ehering aus dem Automaten mindestens genausoviel bedeuten würde wie vom Juwelier, wenn nicht mehr. Leo schlägt vor, dass ich doch versuchen soll, mir einen zu ziehen und drückt mir 50 Ct. in die Hand (auf dem Automaten steht noch 50 Pfg.!).
Ich werfe das Geld ein, drehe den Knopf, und Leo fischt eine durchsichtige Plastikkugel aus dem Automaten. Darin ist was grünes, Stoff, vielleicht ein Haarband. Ich öffne die Kugel, ziehe den Stoff raus, es ist ein Täschchen, und darin...
Der Ring.
Der Ring, den ich als kleines Kind hatte, silbern mit zwei ineinander verschlungenen Schlaufen, vermutlich auch aus einem Automaten.
Der Ring, von dem ich geträumt habe, in der Nacht, als ich den ersten Schritt dazu tat, mein Leben grundlegend umzukrempeln.
Der Ring, den ich so lange im Rollenspiel getragen hatte, in einer Rolle, die Leos Rolle mehr als nahe war...
Der Ring, den ich seit Monaten nicht wiederfinde. Ich sehe, es ist nicht der selbe Ring, er ist stabiler und größer und vor allem nicht zerbrochen. Aber er hat die gleiche Form, das gleiche Aussehen. Wenn es noch irgendeinen Beweis bräuchte, würde ich spätestens jetzt fest daran glauben, dass wir vom Schicksal füreinander bestimmt sind. (Tu ich aber auch ohne Beweis schon.)
So. Tief durchatmen, Gänsehaut wegrubbeln, weiterlesen.
Leo grinst (nachdem ich seine Lippen endlich wieder freigegeben habe). Ich kenne dieses Grinsen. Es ist sein Spielleiter-Grinsen. Das bedeutet, dass ihm gerade ein besonders gelungener Spielleiter-Trick geglückt ist. Der könnte zum Beispiel darin bestehen, dass er den besagten Ring aus dem Gedächtnis abgezeichnet und bei Cynthia hat nachmachen lassen, ihn dann in eine vorher an ebenjenem Automaten besorgte Plastikkugel gesteckt und diese dann in das
Ausgabefach geschmuggelt hat. Aber ich bin ein braver Rollenspieler, ich will die Tricks der Spielleitung gar nicht kennen. Allerdings schlägt meine geschulte Spieler-Logik Alarm: wenn der die Plastikkugel vorhin schon aus dem Automaten gezogen hat, und ich jetzt grade 50 Ct. eingeworfen habe, dann müßte ja jetzt noch eine zweite Plastikkugel da drin liegen.
Und tatsächlich, da liegt sie. Und enthält zwei kleine Plastiktierchen, die sich umarmen. Und zwei Ringe. Einer groß und golden, einer klein und grün. Einer passt an Leos kleinen Finger, einer an meinen Ringfinger. Wenn ich noch irgendeinen Beweis bräuchte....
Während uns die ersten beiden eher mühelos gelingen, sind wir bei drittem Vorhaben eher erfolglos. Aber etwas ist seltsam: Leo bleibt immer mal wieder stehen und schickt mich voraus; er will nur was nachschauen, sagt er. Die Systematik dahinter bleibt mir verborgen, mal ist es ein Bäcker, mal ein Elektronikladen... Trotzdem spiele ich mit und sehe mich ganz heldenhaft nicht nach ihm um, bis er wieder aufholt.
Schließlich haben wir eine Runde gedreht, und bleiben unvermittelt vor einem Kaugummiautomaten stehen.
Ich grinse, weil ich schon häufig erwähnt habe, dass mir ein Ehering aus dem Automaten mindestens genausoviel bedeuten würde wie vom Juwelier, wenn nicht mehr. Leo schlägt vor, dass ich doch versuchen soll, mir einen zu ziehen und drückt mir 50 Ct. in die Hand (auf dem Automaten steht noch 50 Pfg.!).Ich werfe das Geld ein, drehe den Knopf, und Leo fischt eine durchsichtige Plastikkugel aus dem Automaten. Darin ist was grünes, Stoff, vielleicht ein Haarband. Ich öffne die Kugel, ziehe den Stoff raus, es ist ein Täschchen, und darin...
Der Ring.
Der Ring, den ich als kleines Kind hatte, silbern mit zwei ineinander verschlungenen Schlaufen, vermutlich auch aus einem Automaten.

Der Ring, von dem ich geträumt habe, in der Nacht, als ich den ersten Schritt dazu tat, mein Leben grundlegend umzukrempeln.
Der Ring, den ich so lange im Rollenspiel getragen hatte, in einer Rolle, die Leos Rolle mehr als nahe war...
Der Ring, den ich seit Monaten nicht wiederfinde. Ich sehe, es ist nicht der selbe Ring, er ist stabiler und größer und vor allem nicht zerbrochen. Aber er hat die gleiche Form, das gleiche Aussehen. Wenn es noch irgendeinen Beweis bräuchte, würde ich spätestens jetzt fest daran glauben, dass wir vom Schicksal füreinander bestimmt sind. (Tu ich aber auch ohne Beweis schon.)
So. Tief durchatmen, Gänsehaut wegrubbeln, weiterlesen.
Leo grinst (nachdem ich seine Lippen endlich wieder freigegeben habe). Ich kenne dieses Grinsen. Es ist sein Spielleiter-Grinsen. Das bedeutet, dass ihm gerade ein besonders gelungener Spielleiter-Trick geglückt ist. Der könnte zum Beispiel darin bestehen, dass er den besagten Ring aus dem Gedächtnis abgezeichnet und bei Cynthia hat nachmachen lassen, ihn dann in eine vorher an ebenjenem Automaten besorgte Plastikkugel gesteckt und diese dann in das
Ausgabefach geschmuggelt hat. Aber ich bin ein braver Rollenspieler, ich will die Tricks der Spielleitung gar nicht kennen. Allerdings schlägt meine geschulte Spieler-Logik Alarm: wenn der die Plastikkugel vorhin schon aus dem Automaten gezogen hat, und ich jetzt grade 50 Ct. eingeworfen habe, dann müßte ja jetzt noch eine zweite Plastikkugel da drin liegen.Und tatsächlich, da liegt sie. Und enthält zwei kleine Plastiktierchen, die sich umarmen. Und zwei Ringe. Einer groß und golden, einer klein und grün. Einer passt an Leos kleinen Finger, einer an meinen Ringfinger. Wenn ich noch irgendeinen Beweis bräuchte....
So schlau
Donnerstag Morgen. Strahlender Sonnenschein. Leo hat Urlaub. Und schlägt vor, dass wir Einkaufen gehen. Dass das Teil eines perfiden, ausgeklügelten Plans ist, ahne ich noch nicht, doch davon im nächsten Eintrag. Also radeln wir los, bummeln ein bisschen rum, und setzen uns dann in ein Cafe in die Sonne.
Klein Tanja bestellt einen Tee. Der kommt in einer riesigen Tasse mit ebenso riesigem Teesieb-Einsatz. Oben ist der Einsatz mit einem Glasdeckel abgedeckt. Sieht toll aus. Tanja läßt den Tee eine Weile ziehen und hebt dann das Sieb am Griff heraus. Der Tee tropft natürlich, wie bei jedem Sieb, unten raus.
Leo: "Hm, wo stellst Du das denn jetzt hin?"
Tanja sondiert die Möglichkeiten. Der Aschenbecher ist zu eklig. Der Blumentopf auf dem Tisch zu klein.
Tanja: "Vielleicht nehme ich den Untersetzer von der Tasse...?" Dann schlägt der Geistesblitz zu: Das Sieb kann man ja umdrehen! Dazu ist der Glasdeckel da!
Tanja: "Na klar, ich dreh das Ding einfach um. Mann, dass ich mal von selber auf sowas komme! Hätte ich mir gar nicht zugetraut. Ich komm mir grad sooo schlau vor!" Leo nickt bekräftigend.
Immer noch überwältigt von einer solch geistigen Glanzleistung in Sachen Mechanik/Motorik/Technik dreht Tanja, noch während sie diesen letzten Satz ausspricht, das Sieb schwungvoll auf den Kopf. Der Glasdeckel, keineswegs wie angenommen an dem Einsatz befestigt, rutscht, den Gesetzen der Physik folgend, vom Sieb und zerbricht auf dem Tisch. Die Teeblätter verteilen sich auf dem Tisch, ein großer Teil davon landet in der Teetasse, wo der Tee, der bereits fertig war, fröhlich von Neuem zu ziehen beginnt.
Tanja starrt eine Weile hilflos kichernd auf den Tisch, bis die anderen Gäste sich wieder abgewendet haben, der Kellner die Glasscherben und Teeflecken vom Tisch entfernt hat, und Leo sich wieder auf seinem Stuhl halten kann, und beginnt dann, in Demut schweigend die Teeblätter aus ihrem Tee zu löffeln.
Ich komm mir grad sooo schlau vor.
Klein Tanja bestellt einen Tee. Der kommt in einer riesigen Tasse mit ebenso riesigem Teesieb-Einsatz. Oben ist der Einsatz mit einem Glasdeckel abgedeckt. Sieht toll aus. Tanja läßt den Tee eine Weile ziehen und hebt dann das Sieb am Griff heraus. Der Tee tropft natürlich, wie bei jedem Sieb, unten raus.
Leo: "Hm, wo stellst Du das denn jetzt hin?"
Tanja sondiert die Möglichkeiten. Der Aschenbecher ist zu eklig. Der Blumentopf auf dem Tisch zu klein.
Tanja: "Vielleicht nehme ich den Untersetzer von der Tasse...?" Dann schlägt der Geistesblitz zu: Das Sieb kann man ja umdrehen! Dazu ist der Glasdeckel da!
Tanja: "Na klar, ich dreh das Ding einfach um. Mann, dass ich mal von selber auf sowas komme! Hätte ich mir gar nicht zugetraut. Ich komm mir grad sooo schlau vor!" Leo nickt bekräftigend.
Immer noch überwältigt von einer solch geistigen Glanzleistung in Sachen Mechanik/Motorik/Technik dreht Tanja, noch während sie diesen letzten Satz ausspricht, das Sieb schwungvoll auf den Kopf. Der Glasdeckel, keineswegs wie angenommen an dem Einsatz befestigt, rutscht, den Gesetzen der Physik folgend, vom Sieb und zerbricht auf dem Tisch. Die Teeblätter verteilen sich auf dem Tisch, ein großer Teil davon landet in der Teetasse, wo der Tee, der bereits fertig war, fröhlich von Neuem zu ziehen beginnt.
Tanja starrt eine Weile hilflos kichernd auf den Tisch, bis die anderen Gäste sich wieder abgewendet haben, der Kellner die Glasscherben und Teeflecken vom Tisch entfernt hat, und Leo sich wieder auf seinem Stuhl halten kann, und beginnt dann, in Demut schweigend die Teeblätter aus ihrem Tee zu löffeln.
Ich komm mir grad sooo schlau vor.
04 April 2007
Lieber Anrufer
Wenn Du morgens um 5:32 Uhr bei jemandem anrufst, dann solltest Du darauf gefasst sein, dass es etwa zwei bis drei Mal klingeln braucht, bis derjenige wach genug ist, um zu realisieren, dass das Telefon klingelt. Und weitere zwei bis drei Mal, bis er selbiges, nach mühsamem Aus-dem-Bett-Wursteln (inkl. Katzen runterschmeissen), auch erreicht. Deswegen solltest Du einfach etwas länger dranbleiben, selbst wenn der Anrufbeantworter rangeht.
Und wenn etwas so wichtig ist, dass man, nur um's nochmal zu wiederholen, morgens um 5:32 anrufen muss, dann ist es das sicher auch wert, auf den AB gesprochen zu werden, damit der Angerufene zurückrufen kann, anstatt stundenlang wachzuliegen und zu grübeln, welche Katastrophe gerade passiert ist.
Dankeschön und auf Wiederhören.
Und wenn etwas so wichtig ist, dass man, nur um's nochmal zu wiederholen, morgens um 5:32 anrufen muss, dann ist es das sicher auch wert, auf den AB gesprochen zu werden, damit der Angerufene zurückrufen kann, anstatt stundenlang wachzuliegen und zu grübeln, welche Katastrophe gerade passiert ist.
Dankeschön und auf Wiederhören.
03 April 2007
Tonight is the meaning of life
Dienstag morgen, 2:41h. Mein Leben liegt klar und deutlich vor mir.
Seit Tagen schreibe ich mit ein paar anderen tapferen Spielleitern zusammen Rollen für ein Rollenspiel, das in wenigen Tagen stattfinden wird. Wir arbeiten unter extremem Termindruck, über ganz Deutschland verteilt per Skype kommunizierend, die Dokumentation unserer Arbeitsgrundlagen ist bestenfalls mangelhaft, die Überschneidungszeiten unserer Erreichbarkeit nur selten gegeben, einer der wichtigsten Spieler ist kurzfristig ausgefallen, so dass alles, was schon fertig war, nochmal eben umgebaut werden muss. Seit Tagen komme ich nicht vor 2h morgens ins Bett, übernehme zu schreibende Rollen von anderen Spielleitern, die auch im wirklichen Leben noch einen Beruf haben, versuche mich in völlig undurchsichtige Hintergründe einer Spielwelt einzuarbeiten, die mir nur rudimentär bekannt ist. Jetzt sitze ich am Computer, tippe wie wild, und kriege das Grinsen nicht aus meinem Gesicht. Es ist offensichtlich: meine Bestimmung ist das Rollenschreiben.
Wenn ich in der Arbeit auch nur annäherungsweise so viel Stress hatte, hab ich nie so gegrinst. Man könnte jetzt natürlich vermuten, dass das Grinsen vom nach-1h-morgens-Kaffee-Trinken kommt. Oder vielleicht sogar von der höheren Dosis Antidepressiva, die ich seit neuestem einnehme? (Liebe Co-SLs, sagt mir Bescheid, wenn ihr auch was von dem Stoff wollt. ;-))
Aber ich bin überzeugt: ich bin fürs Rollenschreiben gemacht. Keine Ahnung, ob ich gute Rollen schreibe, aber viele sind's auf jeden Fall. Also wird das in Zukunft mein Beruf. Irgendwelche Freiwilligen, die mich dafür bezahlen möchten?
P.S. Für alle besorgten Eltern, Freunde und sonstige Psychopharmaka-Skeptiker: die höhere Dosis ist ein Experiment von meinem Arzt, um festzustellen, ob das Zeug bei mir überhaupt wirkt, oder ob wir's eigentlich auch weglassen können. In zwei Wochen wird die Dosis wieder runtergesetzt, also keine Angst, alles in Ordnung. :)
Seit Tagen schreibe ich mit ein paar anderen tapferen Spielleitern zusammen Rollen für ein Rollenspiel, das in wenigen Tagen stattfinden wird. Wir arbeiten unter extremem Termindruck, über ganz Deutschland verteilt per Skype kommunizierend, die Dokumentation unserer Arbeitsgrundlagen ist bestenfalls mangelhaft, die Überschneidungszeiten unserer Erreichbarkeit nur selten gegeben, einer der wichtigsten Spieler ist kurzfristig ausgefallen, so dass alles, was schon fertig war, nochmal eben umgebaut werden muss. Seit Tagen komme ich nicht vor 2h morgens ins Bett, übernehme zu schreibende Rollen von anderen Spielleitern, die auch im wirklichen Leben noch einen Beruf haben, versuche mich in völlig undurchsichtige Hintergründe einer Spielwelt einzuarbeiten, die mir nur rudimentär bekannt ist. Jetzt sitze ich am Computer, tippe wie wild, und kriege das Grinsen nicht aus meinem Gesicht. Es ist offensichtlich: meine Bestimmung ist das Rollenschreiben.
Wenn ich in der Arbeit auch nur annäherungsweise so viel Stress hatte, hab ich nie so gegrinst. Man könnte jetzt natürlich vermuten, dass das Grinsen vom nach-1h-morgens-Kaffee-Trinken kommt. Oder vielleicht sogar von der höheren Dosis Antidepressiva, die ich seit neuestem einnehme? (Liebe Co-SLs, sagt mir Bescheid, wenn ihr auch was von dem Stoff wollt. ;-))
Aber ich bin überzeugt: ich bin fürs Rollenschreiben gemacht. Keine Ahnung, ob ich gute Rollen schreibe, aber viele sind's auf jeden Fall. Also wird das in Zukunft mein Beruf. Irgendwelche Freiwilligen, die mich dafür bezahlen möchten?
P.S. Für alle besorgten Eltern, Freunde und sonstige Psychopharmaka-Skeptiker: die höhere Dosis ist ein Experiment von meinem Arzt, um festzustellen, ob das Zeug bei mir überhaupt wirkt, oder ob wir's eigentlich auch weglassen können. In zwei Wochen wird die Dosis wieder runtergesetzt, also keine Angst, alles in Ordnung. :)
02 April 2007
Unsere lieben kleinen Kätzlein...
...sind ja immer sooo brav. Menschenfutter interessiert sie überhaupt nicht. Deswegen kann man sogar Reste auf dem Tisch stehen lassen, da gehen sie nicht ran. (Mit Ausnahme von gekochten Kartoffelschalen, Thunfisch und Leberwurst - auch unsere Katzen sind keine Übermenschen.)
In letzter Zeit bekommen sie mal wieder Spezialfutter, weil Mu ja eine Allergie hat. Das schmeckt ihnen mittlerweile auch ganz toll, aber irgendwie ist immer zu wenig davon da. So eine Portion morgens und abends reicht einfach nicht. Und der Abstand dazwischen ist viel zu lang. Deswegen wird Tanja auch morgens mit sanftem Schnurren, krallenbewehrten Milchtritten und gelegentlichem tieftraurigem Maunzen (das Kodama sich von irgendeinem jaulenden Hund abgeschaut haben muss) motiviert, endlich aufzustehen und eine Dose zu öffnen.
Nicht so heute. Nach entspanntem Ausschlafen wurde mir bewußt, dass irgenwas fehlte. Genau. Die Katzen schliefen friedlich zusammengerollt und wirkten gar nicht hungrig. Es gab aber keine Anzeichen, dass Leo sie schon gefüttert hatte. Also, Dose auf, Frühstück.
Katzen sind glücklich, d.h. ich kann an den Computer und weiter an unserer Rollenspiel-Planung arbeiten. Und da - liegt die zerfetzte Packung Leckerlies, die Jana uns neulich mitgebracht hat, als sie zu Besuch war. Fein säuberlich zerkaut und bis auf das letzte Bröckerl aufgemampft. Und unsere lieben Kätzlein, mit doppelt vollem Bauch, sitzen hinter mir und gucken gaaaaanz unschuldig...
In letzter Zeit bekommen sie mal wieder Spezialfutter, weil Mu ja eine Allergie hat. Das schmeckt ihnen mittlerweile auch ganz toll, aber irgendwie ist immer zu wenig davon da. So eine Portion morgens und abends reicht einfach nicht. Und der Abstand dazwischen ist viel zu lang. Deswegen wird Tanja auch morgens mit sanftem Schnurren, krallenbewehrten Milchtritten und gelegentlichem tieftraurigem Maunzen (das Kodama sich von irgendeinem jaulenden Hund abgeschaut haben muss) motiviert, endlich aufzustehen und eine Dose zu öffnen.
Nicht so heute. Nach entspanntem Ausschlafen wurde mir bewußt, dass irgenwas fehlte. Genau. Die Katzen schliefen friedlich zusammengerollt und wirkten gar nicht hungrig. Es gab aber keine Anzeichen, dass Leo sie schon gefüttert hatte. Also, Dose auf, Frühstück.
Katzen sind glücklich, d.h. ich kann an den Computer und weiter an unserer Rollenspiel-Planung arbeiten. Und da - liegt die zerfetzte Packung Leckerlies, die Jana uns neulich mitgebracht hat, als sie zu Besuch war. Fein säuberlich zerkaut und bis auf das letzte Bröckerl aufgemampft. Und unsere lieben Kätzlein, mit doppelt vollem Bauch, sitzen hinter mir und gucken gaaaaanz unschuldig...
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